sensibel

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Sensibelchen. Es gibt Leute, die feiern das. Viel fühlen ist schön. Banalität existiert kaum, weil alles etwas auslöst, alles ist wichtig. Alles. „Über was du nachdenkst.“ Ein kleines Problem, eine minimale Unstimmigkeit explodiert bis zur Endlosigkeit. Wieder hab ich das Gefühl mich zu beschweren. Sensibel zu sein bedeutet die Welt wichtig zu nehmen und sich gleichzeitig selbst SEHR wichtig zu nehmen. Ich will nicht so viel Platz einnehmen. Vielleicht im Mittelpunkt stehen, doch nur im schillernden Licht. Der Widerspruch poliert seine Diamanten. Ich, die predigt, dass jedes Problem seine Rechtfertigung hat, verurteilt sich nun selbst. In Zeiten der Depression hat das ganze Sinn ergeben. Ich konnte es vor mir selbst rechtfertigen. Das ist eine Krankheit. Die Melodramatik, das Übertreiben gehört nun mal dazu. Jetzt ist die Psyche theoretisch gesund. Ja – Borderline Tendenzen sind in meine Persönlichkeit geschliffen. Das Leben im Extrem in den Strängen meiner DNA verankert. Das Glück strahlt und schimmert. Funkelnde Extravaganz. Das Grau begräbt mich. Ausgraben, schweben, verschütt gehen, auflösen, auferstehen. Tausend Erkenntnisse und nie ankommen. Und wieder möchte ich mich selbst verurteilen. Denn in diesem Text nehm ich mich aufs Neue zu wichtig. „Du bist NICHT das Gefühl.“ Das Gefühl muss trotzdem verarbeitet werden. Die Wellen schwächen den Körper, bis ich wieder voller Energie erwache und mich jedes Detail mit Staunen erfüllt. Ausnahmsweise endet der Text ohne Erkenntnis. Die maximale Antwort ist, dass es keine gibt. Seufzen. Meine Umgebung flüstert: „es ist alles nicht so schwer“. Ein Haken holt mich aus der Tiefsee.

sensibel

In der Nasenspitze

Die Diskrepanzen der Omnipräsenz. Ein wackeliges Gestell. Gedankenstränge, Synapsen heizen sich an der Hinterfrage auf. Meine Nasenspitze reckt sich zum Himmel und legt das immer währende Zerteilen der Atome lahm. Zu oft fokussiert auf meine Ebene. Jedes Mal überrascht von der Existenz des Ganzen. Jenes kupplige, unendlich weite, verschiedenfarbige Etwas über unseren Köpfen, legt mir jede Antwort auf die Hand. Lockert die Maschen, ohne groß zu argumentieren. So klar wie das Blau über uns, so beständig, wie die Sternkonstellationen, sind die meisten Lösungen. Wann hat verkrampftes Denken, ein zermatertes Gehirn je zum Ziel geführt. Lass verdammt nochmal los. Gedankenverloren schreibt ein Freund mit dem Kugelschreiber auf seine Haut. „Platz ist nicht unendlich.“

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In der Nasenspitze

da wo mein gedächtnis ans vermächtnis grenzt

Anna sagt, dass für die meisten Berliner kein Glück ohne melancholischen Unterton existiert. Das Blau schneidet sich am Plattenbau. Manchmal erglühen die großen Fenster in den obersten Stockwerken. Goldene Reflektionen der statisch, wuchtigen Prismen. Im Winde steht kurz alles still. Der Feinstaub kriecht in meine Bronchien. Etwas kribbelt. Auf die Geräusche legt sich eine Decke, während ich nicht entscheiden kann, nicht entscheiden will, ob sich die Größe Vollkommen oder einsam anfühlt. Die Vibration, die Schnelligkeit – ein graues Gefühl von Zuhause, welches wir mit Lichterketten verzieren und uns verlieren. Bei vollem Bewusstsein. Im Wahnsinn. So sehr daran gewöhnt, dass die Präsenz des Elends eine Präsenz von Schönheit nicht ausschließt. Es ist selbstverständlich. Alltag. Unsere Leben kommen nicht ohne Dramen aus. Sie schreien „Berlin du lässt mich nicht los“ und ich denke daran, wie oft ich aus diesem Wahnsinn flüchtete und doch immer wieder zurückkehrte. Der graue, mit Kaugummi und Glitzer gesäumte Boden ebnet meine Wege und saugt die Erinnerungen übermüdeter Gliedmaßen in sich auf. Die Sonne spiegelt sich golden. Ein schwerwiegender, tröstender Puls. Egal wie oft ich es trenne, eine andere Geborgenheit anteste. Die Rückkehr liegt immerwährend auf der Hand. Berlin. Du vereinst Hass und Liebe. Ich adaptiere es in mein Wesen und bin darüber nicht allzu verwundert. Zuhause ist bisweilen nur das, was man am besten kennt.
Scheiße. Anna hat Recht.

da wo mein gedächtnis ans vermächtnis grenzt

TROTZDEM

Alte Muster.
Wie sehr ich es liebe in euch zurückzufallen. Manchmal habe ich das Gefühl, immer wieder neu anfangen zu müssen. Das stimmt natürlich nicht. Rückblickend gehe ich nun viel gesünder mit destruktiven Gedanken oder Verhaltensweisen um. Trotzdem lösen erneut aufkeimende Selbstzweifel oder Angstzustände eine Hilflosigkeit aus, der ich zunächst nur mit Hilflosigkeit begegnen kann. Aus Hilflosigkeit wird Leere, aus Leere Taubheit und das alles könnte sich in einen weiteren Teufelkreis hineinsteigern. Ja – könnte. Darin liegt die Essenz des Wendepunkts. Anscheinend ist das einzige Mittel gegen jene Hilflosigleit sie immer wieder zu durchbrechen. Immer wieder einen Realitätsabgleich durchzuführen, wenn die Angst vor was auch immer zurückkommt. Immer wieder tief durchatmen. Immer wieder aufstehen, wenn Leere und der Glaube an die Sinnlosigkeit sich wieder in meine Adern frisst und sich mit meiner lebensbejahenden Existenz streiten will. Vielleicht hab ich genau das gelernt. Aufstehen, akzeptieren und weiter machen. Bis ich die neue Welle des puren Glücks wieder mitnehmen kann. Ich entscheide mich immer wieder aufs Neue für mein Leben. Ein Beispiel um dies zu verdeutlichen: ich habe Epilepsie und könnte deshalb Angst vor vielen Dingen haben. Schwimmen zum Beispiel. Doch selbst wenn ein Unfall passieren sollte – ganz ehrlich, ich habe lieber ein kurzes Leben in welchem ich so oft wie nur möglich den Sprung ins wundervolle Meer wagte, als ein langes dass ich vor lauter Angst nie in all seiner Vollkommenheit führen würde. So sehe ich das und diese Einstellung versuche ich auf alles anzuwenden und meistens gelingt das mittlerweile auch. Bei manchen Dingen ist es weiterhin ein Prozess. Das zu akzeptieren ist schwer. Vor allem weil ein Prozess selten linear verläuft. Vor allem, wenn ich das Gefühl hatte, etwas hinter mir gelassen zu haben und es mich plötzlich wieder einholt. Wahrscheinlich ist einholen die falsche Wortwahl, denn es impliziert ein vorheriges weglaufen. Ich will vor nichts, dass aus mir entspringt weglaufen. Ich will im Urschleim ansetzen und es an die Hand nehmen.
Eins weiß ich – ich werde mich immer wieder für die selbsterwählte Form meines Lebens entscheiden. Vielleicht macht genau das meinen Weg aus und vielleicht ist dieser Weg mein immer währendes Ziel. Wie immer – ein rotziges TROTZDEM und nicht deswegen. Basta.

TROTZDEM

checkmate

Injustice
Everywhere.
Every. Where – did it start?
Insomnia is kicking through all the worries.
I am constantly thinking about my friends in the struggling country’s. Because someone is playing a game. Because someone created a team of civilians, people who never wanted to volunteer but became part of it overnight. When one action lead to another. One action lead to another beating of an innocent human being. It’s a battlefield. I followed the games through the news. Games of hunger. Games of weapons, blood, killing. I watched all the pain popping up on my screen. One after another. Action after action. Until I suddenly ended up removing the screen. Just by actually visiting a place where the struggle never ended. I made friends. Some of them became family. Brothers, sisters. Hospitality and kindness on a level I didn’t experience before. It continues in front of my eyes. Action after action until another innocent nature got executed. Bang – checkmate! Not a stranger on the screen anymore. I am back home watching the happenings. Back home in safety. So many privileges – some got so used to them, they are not even able to appreciate it anymore. Real empathy evolved. Action after action. I. AM. SCARED. Got even more sensitive for all the happenings of injustice and I feel helpless. Because I see all the resistance but in the end it’s still the game and I scream for Palestine, Gaza, Syria, Yemen and all the other places full of beautiful kind human beings. Families, children, sisters, brothers. Action after action my screams end up against a wall and the only thing that’s left are my words. Words of hope. Words of resistance. I am so angry. They say it’s a bad thing but I believe if there is oppression, injustice, hunger, occupation, blood, guns – anger can be used as a source of power. Such as love and I am angry for the people I love so much. Action after action. I scratch up all my love, empathy and tears. I carry the stories in my heart and continue to scream. Because in the end it’s all l can do. It’s all I have. Action after action. My words. Words of anger, words of love. They are going to resist to exist until the very end of the game. One day. Checkmate!

checkmate

magenta

Fluchend kramte ich in meinen Manteltaschen. Wenigstens war es kalt genug. Russenpeitsche vom feinsten. Wenn die Luft so eisig ist, dass sich jeder Atemzug wie ein sauberer Schnitt durch die Luftröhre zum Zwerchfell anfühlt. Ich habe dass Gefühl dann besser danken zu können. Nur meine Hände wehrten sich, schwollen an, wurden trocken und rissig und färbten sich Magenta. Magenta. Meine tauben Finger fanden etwas in der hinterletzten Ecke meiner linken Manteltasche. Lange vergessen, vielleicht auch verdrängt, lag dort der Beweis einer vergangenen Koexistenz auf meiner Hand. Ich erinnerte mich an die schönsten Hände, die ich bis dato gesehen hatte, dass sie meine griffen, dass wir im Sonnenlicht tanzten. Ich erinnerte mich an einen knallbunten Kaugummiautomaten, der mit seinen quietschenden Farben unser übertriebenes Gefühlskonfetti unterstrich. Die schönen Hände drehten am Knauf und schenkten mir einen Ring mit magenta Plastikherzen. Magenta – mein Fixpunkt änderte sich. Von meiner Hand schaute ich zu dem Geländer an dem wenige Fahrräder angeschlossen waren. Darunter ein altes, magentafarbenes Damenrad. Die Farbe blätterte etwas ab, wie auf den Herzen meines Rings. Ich seufzte und legte den Plastikring auf den Sattel. Dieser Gegenstand mochte für mich nur eine vergorene Erinnerung an die Endlichkeit sein. Doch in Zeiten des Graus schien es mir passend knallige, magentafarbene Plastikherzen einzugliedern. Ein Fremder. Ein magentafarbenes Fahrrad und die eisig, graue Mattscheibe. Wir treffen uns in der Mitte meiner Lemniskate um einen Schatz zu bergen. Ich zeichne sie in den Schnee.

Am nächsten Tag steht das Fahrrad nicht mehr an der Station und ich trage die Gewissheit in mir, dass die kleinen Plastikherzen jemandem das eisige Herz erwärmten.

magenta

Bruchstücke der schönen Tage

Ein Spaziergang durch den Schnee. Wir laufen ineinander verhakt. Eine Geborgenheit, die nur uns gehört. Mittig liegend in der von uns gebildeten Lemniskate. Treten auf Glitzern, Knirschen, Weiß. Eisig. So eisig, dass meine Zehen taub sind – ich das Gefühl habe, die Poren meiner Nase sind erfroren. Gefroren. Aufgetaut. Neugeboren.

Mein Blick ist aufmerksam geworden. Für die kleinen Dinge. Jene, die sich so offensichtlich in unserer Sicht präsentieren und doch so oft verschleiert blieben. Mein müder Kopf legt sich nieder. In ihre Schatten und in ihren Schimmer. Meine Hände versuchen es zu greifen. In die Wärme, die Farben, den Staub in der Schwebe.

Dein Körper. Ins Sonnenlicht getaucht. In den Laken schmiegt sich alles aneinander. Es ist ein Fluss. So geschmeidig, wie das Wort. Ich möchte diesen Moment in meinen Synapsen konservieren. Diese reine Schönheit des Selbstverständnis in meine Denkmuster integrieren. Das Dunkle mit noch mehr Beweisen, widerlegen.

Auch wenn sich das Eis durch alle Schichten beißt, meine ich mit jedem Tag mehr und mehr die Tage des Frühlings zu erahnen. Vielleicht ist es auch mein inneres, kindliches Strahlen. Ehrlich. Ich bin ganz aufgeregt und kann das Kommende kaum erwarten. Geht das – Leichtsinn und ausgeglichene Ruhe in einem?
Vielleicht. Anscheinend.

Bruchstücke der schönen Tage