da wo mein gedächtnis ans vermächtnis grenzt

Anna sagt, dass für die meisten Berliner kein Glück ohne melancholischen Unterton existiert. Das Blau schneidet sich am Plattenbau. Manchmal erglühen die großen Fenster in den obersten Stockwerken. Goldene Reflektionen der statisch, wuchtigen Prismen. Im Winde steht kurz alles still. Der Feinstaub kriecht in meine Bronchien. Etwas kribbelt. Auf die Geräusche legt sich eine Decke, während ich nicht entscheiden kann, nicht entscheiden will, ob sich die Größe Vollkommen oder einsam anfühlt. Die Vibration, die Schnelligkeit – ein graues Gefühl von Zuhause, welches wir mit Lichterketten verzieren und uns verlieren. Bei vollem Bewusstsein. Im Wahnsinn. So sehr daran gewöhnt, dass die Präsenz des Elends eine Präsenz von Schönheit nicht ausschließt. Es ist selbstverständlich. Alltag. Unsere Leben kommen nicht ohne Dramen aus. Sie schreien „Berlin du lässt mich nicht los“ und ich denke daran, wie oft ich aus diesem Wahnsinn flüchtete und doch immer wieder zurückkehrte. Der graue, mit Kaugummi und Glitzer gesäumte Boden ebnet meine Wege und saugt die Erinnerungen übermüdeter Gliedmaßen in sich auf. Die Sonne spiegelt sich golden. Ein schwerwiegender, tröstender Puls. Egal wie oft ich es trenne, eine andere Geborgenheit anteste. Die Rückkehr liegt immerwährend auf der Hand. Berlin. Du vereinst Hass und Liebe. Ich adaptiere es in mein Wesen und bin darüber nicht allzu verwundert. Zuhause ist bisweilen nur das, was man am besten kennt.
Scheiße. Anna hat Recht.

da wo mein gedächtnis ans vermächtnis grenzt

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