Blaue Flecken

Ich zeichne mit der Klinge
Kreuz um Kreuz auf deine Stirn
während ich mich leise singe
in dein schwammiges Gehirn

Blut läuft über dein Gesicht
es strömt in warmen Linien
und als wäre es ein Schwergewicht
erlöst ’s mein graziles Siegen

Du prägst dir ein mein Dogma
du hinterfragst nicht, du folgst
ich schenke dir mein Stigma
während du vor Freude lallst.

Über die hypnotisierte Verstörung
wird dir der Kruzifix entrissen
du lächelst nur debil mit Schwung
und verdrängst absentes Wissen

Ausgetauscht wurde nun dein Deus
umgepolt haben wir deinen Sinn
siehst nun in mir deinen heiligen Klerus
konstant betend mein Gespinn

Nun ziehe ich an den Fäden
augenblicklich folgt die Tat
demaskiere deine Schäden
und zerstöre deine Sat

19-07-15 – ©Jane van Raudi

Blaue Flecken

die Zeitkapsel im Paradies

Mein Dasein, mein Kosmos, meine Blase.

All das gewinnt und verliert an diesem Ort zu viel Bedeutung
– gleichzeitig.

Hier ist alles und nichts.

Ich tanze durch den Sand in Lemniskaten und lasse mich von den Wellen an Land spülen, wie ein kleines Kind. Über mir kommt ein Stern nach dem anderen zum Vorschein. Ich fühle mich so vollkommen, wie unsicher. Dieser Ort ist Gegensatz. In Schönheit und Abgeschiedenheit liegt viel zu viel Raum für das eigene Dasein. Das Meer ist schonungslos und rührt am Unterbewusstsein. Selten benutzte Saiten deren Schall viel zu viel Staub aufwirbelt. Die sengende Sonne brennt jegliche Gedanken aus und gleichzeitig ergötzt sie sich an meiner qualvollen Gehirnschmelze. Doch es ist wie Glas. Man kann jegliches schmelzen in Vollkommenheit verwandeln.

Mit Grund und Boden und einem Sinn und Verstand.

die Zeitkapsel im Paradies

Espalk

Ich laufe die Wege von damals. All jene die ich damals in unendlichen Runden lief. Die ich lief, um das immer währende Summen meines Gehirns aushalten zu können, um die stetige Unruhe meines Daseins ohne Boden irgendwie kanalisieren zu können. Damals. Rann mir der Schweiß über die Haut und die Schwere der ersten Sommernächte ließ mich nicht schlafen. Heute ist der See vereist. Meine Wangen gerötet. Meine Hände taub und geschwollen. Ich laufe den ganzen Weg und es fühlt sich ewig an. Ein schwerer Blumenstrauß in meinen Armen. Doch es ist wichtig, richtig und nötig. Dies ist die Beendigung einer Runde, die ich vor neun Monaten begann. Ein Abschließen welches sich vor dem Backsteingebäude mit der schönen Parkanlage auftut. Ich laufe genau so zielorientiert wie damals. Die kahlen Bäume, welche damals vom Flieder bedeckt waren. Die Raucherecke in der man seinen Schmerz kurzweilig zuteeren konnte und schließlich, als ich eintrete, der klinische Geruch. Laufe. Die Treppen, die ich damals in überkurzen Hosen heruntergesprungen bin. Ich erinnere mich an mein Fühlen damals. Die raue See in der ich überleben wollte, musste. Und jetzt? Die See ist ruhig. Hin und wieder eine Welle. Doch der Schmerz ist verschwunden irgendwo hat er sich nach der Heilung in meiner Tiefsee niedergelegt. Die Menschen sagen mir, dass ich so gesättig wirke. In mir ruhend. Der Wellengang fand eine Basis. Die Basis in mir selbst, die mich so verlässlich auffangen kann. Ein Rhytmus. Damals. Wie ich mit zitternden Beinen in die Notaufnahme schritt. Nur ein Wunsch, endlich wieder Kraft zu haben. Daran denkend würde ich dieses angsterfüllte Mädchen gern umarmen. Diese sehnende Sucht, die ich in mir trug. Nach etwas Starkem. Nach jemandem, der für mich stark war. Doch ich fand die Stärke und zwar in mir selbst.
Ich gebe die Blumen der Schwester. Sie erkennt mich. Danke. Die Runde ist beendet, doch ich werde sie immer in mir tragen. Der Beweis, den ich damals gern gehabt hätte. Ein Beweis, dass sich jeder Kampf lohnt. Jede einzelne Runde.
Ich hab nur das eine Leben. Ein Leben welches ich wählte weiterzuführen. Das ich ohne Angst führen möchte. Das etwas bedeuten soll. Für das ich dankbar bin. Meins.

Espalk

wenn du lebst

Irgendwas ist aufgeplatzt im Strahlen der Szenerie
und am Ende stand ich weder oben noch unten gleichzeitig
balancierte auf rechts und links
ich wartete auf ein letztlich gesagtes cherie
im Rausch meiner Misanthropie
gekoppelt mit dem Augenaufschlag der Sphinx
die Klarheit im Eremitendasein
sich selbst anschrein
und darin alles vereinen
und wenn es noch einmal in tausend Stücke zerbarst
blickte ich nach oben und sah die Stücke sich in Sternbilder eingliedern
vergaß dass unter meinen Füßen ein Scherbenhaufen lag
denn die Gewissheit liegt in der Präsenz
dass ich aufsammeln und danach greifen werde
nur um schlussendlich ein Bild zu haben
ein Bild im stetigen Wandel mit derselben Grundessenz
Rastlosigkeit und Hoffnung
in der Tiefe meines Spiegels verzeichnet
in dem Riss
dem Sprung
dem Sein

wenn du lebst

Hydraulik des Seins

ein Bruchstück aus einem Bruchstück
ich bin ein Mosaik
alles an und in mir
ein Ergebnis aus Fragmenten
die Überbleibsel und Grundessenzen
aus allem je erlebten
es ist ein Prisma
manches außen sichtbar
das meiste nur für mich erkennbar

ein jedes Fragment lässt sich langsam modifizieren
mit der Zeit werden sie kleiner und größer
drängen in den Vordergrund
verdrängen sich in den Schutz des Hintergrundes
um aus dem Unterbewusstsein zu agieren

es wirft mich hin und her
ich lass mich schubsen
lasse jedes Bruchstück los
lasse alles fallen

sie liegen vor mir ausgebreitet
jedes einzelne hebe ich auf
drehe es in der Hand
betrachte es –

jede Furche

jede Kerbe

jede Farbe

beobachte das wirken der Einzelteile
integriere jede kleinste Regung
spüre jeden Schmerz einer Schneide
und jede Beruhigung einer Rundung

letztlich steht alles im Zusammenhang
und fließt
ineinander
springt an den Punkt der Herkunft zurück
ohne sich einzuschleifen
sich ständig erneuernd
eine semipermeable Metamorphose
ohne bestimmbaren Anfang
ohne bestimmbares Ende

 

Hydraulik des Seins

Sternegucker

Fernab von der Menge treiben wir durch die Stadt. Es ist Nacht und die Straßen sind leer. Jemand berührt mich am Arm und erzählt mir von neuen Orten in einer anderen Sprache. Ich übernehme liegend das Kommando und führe unsere Fingerspitzen in den Himmel. Wir richten den Blick nach oben, in diesen unbegreiflichen Raum welcher uns tagtäglich umgibt. Verwirrte, junge Seelen – auf der Suche nach Bildern in der Dunklen Nacht. Ich verbinde Stern um Stern und bin ganz verloren an einem Ort, an dem ich eigentlich nicht mehr sein sollte. Dort treiben wir gemeinsam fort von unserer gemeinsamen Realität und finden uns am Rande des Meeres wieder. 

Sternegucker

maybe tomorrow – maybe the day after tomorrow

Acht Leute quetschen sich in’s überhitzte Auto. Ich sitze vorne auf Sams Schoß und blicke in den Seitenspiegel. Ich habe das Gefühl seit langem endlich wieder wirklich erholt auszusehen. Keine Augenringe mehr, keine eingefallenen Wangen und von der Sonne geküsst. Endlich zeichnet sich die psychische Wandlung auch wieder in meinem Äußeren ab, anstatt sich in einer geisterhaften Erscheinung meiner selbst noch nachtragend zu manifestieren.

Wir fahren über die staubige Landstraße Richtung Meer. Die Luft steht und drückt die Brust nieder. Ich strecke meine Hand aus dem offenem Fenster um den Fahrtwind zu spüren. Der Strand besteht eigentlich nur aus Klippen, was meiner Ansicht nach wesentlich angenehmer mit der sengenden Sonne harmoniert, als überhitzter Sand. Das Wasser ist türkisblau und glasklar, wie aus dem Bilderbuch. Es ist unheimlich salzig und so kann man sich ohne große Anstrengung einfach treiben lassen. Man muss nur ein wenig auf die Seeigelvölker Acht geben.

Ich schließe meine Augen und lausche dem Meer, während Sasa einen seiner Monologe über das Weltgeschehen hält. Früher hat er Dinge die niemand brauchte an Haustüren verkauft, irgendwann ist die Blase zerplatzt. Er fand das nicht mehr richtig. In der Nähe Šišans kauft er ein Grundstück und lebt dort erstmal für ein Jahr allein und abgeschieden. Irgendwann stößt der Pole Marcin dazu. Wie genau das von stattenging habe ich wohl verdrängt – auf jeden Fall fingen Marcin und Saša Couchsurfer zu sich zu holen. Mittlerweile ist eine Art Hippiekommune daraus geworden. Auf dem Grundstück steht ein kleiner Wohnwagen in dem man schlafen kann, die übrigen schlafen entweder in Zelten oder Hängematten. Wahrscheinlich habe ich die Hälfte meiner Zeit in Šišan gedankenverloren in meiner Lieblingshängematte verbracht. Eine riesige, weiße Tür dient als Gemeinschaftstisch und es gibt sogar eine kleine Outdoorküche. Das ganze funktioniert auf Spendenbasis und da es den Leuten hier so gut gefällt funktioniert es auch ziemlich gut. Es sind immer rund zehn Couchsurfer gleichzeitig am Start. Die Zeit zerfließt da hin. Eigentlich wollte ich nur zwei Nächte bleiben – es wird eine Woche daraus. Jeden Tag reden wir darüber, dass wir morgen fahren werden. Maybe tomorrow, maybe the day after tomorrow. Es ist ein Ort an dem man alles hat was man braucht. Versunken in einem Traum. Versunken in der Hängematte. Versunken im Meer. Gemeinsam besingen wir die Nächte und sind füreinander da. Irgendwann fällt bei jedem die Maske und jeder gibt sich in seiner wahren Kernform – man erkennt dann, was man immer wieder vergisst – dass wirklich jeder irgendwo einen Knacks weg hat und jeder Knacks hat etwas schönes.

Irgendwann entschließen sich einige von uns dazu etwas aktiver zu sein und machen einen Ausflug. Wir leihen uns Fahrräder aus und fahren in einen Nationalpark. Der Hinweg ist steinig, von Steigungen geprägt und dauert drei Stunden. Drei Stunden in der sengenden Mittagshitze. Ich bin nicht die Sportlichste und habe ein Rad abbekommen bei dem die Gänge nicht richtig funktionieren, aber durchbeißen war ja schon immer meine Stärke. Der Hauptgrund für diese dezente Odyssee ist die Aussicht auf einen Sprung. Cliff diving nennt sich das. Nachdem wir uns also in einer komplett aus Stroh bestehenden Bar kurz ausgeruht haben geht es an die eigentliche Mission des Tages.

Springen. Ich. Springen macht mir immer Angst. Vor allem in’s Wasser. Selbst wenn es nur ein Meter ist, ja selbst bei einem kleinen Hopser. Jedes Mal muss ich mich überwinden, auch wenn ich mich jedes Mal danach großartig fühle. Es ist mein Respekt vor dem Meer, gemischt mit Höhenangst und dem Fakt dass man nie wirklich genau sagen kann, wie es sich anfühlen wird. Dass alles zusammen lässt mein Herz rasen. Als Kind bin ich unerschrocken gewesen. Mit elf habe ich sogar mal Bungeejumping gemacht. Es hat mich alles nicht interessiert, ich wollte nur den süßen Adrenalinkick. Letztes Jahr führte mein zweiter epileptischer Anfall dann dazu, dass ich Angst bekam. Vor allem. Wenn ich Nachts nach Hause ging, traute ich mich nicht mehr dabei Musik zu hören und zuckte bei jedem Geräusch zusammen, ich hatte Angst im Dunkeln, vor Wasser, vorm Fahrradfahren, vor Kabeln – Elektrizität allgemein. Ich ging nur noch selten feiern, weil es für mich zur kompletten Reizüberflutung wurde und die Technobeats, die ich früher so liebte löste Herzrasen aus. Ich bekam regelmäßig Panikattacken und konnte nicht mal mehr Kaffee trinken, weil mich jede noch so kleine erhöhte Herzfrequenz sofort triggerte. Ich ging immer seltener aus dem Haus, weil ich Angst hatte alleine nach Hause zu müssen und wurde für meine Verhältnisse extrem introvertiert. Ich konnte nicht mehr ich selbst sein.  Das schlimmste ist, dass einem die Irrationalität bewusst ist – es ist trotzdem schwierig etwas dagegen zu tun. Der beste Weg eine Angst zu überwinden, ist sie nicht zu meiden. Angst hört nie auf. Wenn man die eine umgeht, kommt die nächste. In den letzten Monaten habe ich viele meiner Ängste selbst überwunden – ich wollte nicht, dass es mich einschränkte. Ich wollte wieder unerschrocken sein. Die letzte Panikattacke hatte ich im Februar. Nach und nach schwanden die Ängste und seit ich angefangen habe zu reisen ist nur noch ein kleiner Rest übrig. Darunter eben diese Sprungangst.

Als ich auf der acht Meter hohen Klippe stehe und in’s Türkise Wasser hinabschaue, weiß ich sofort, dass ich springen muss. Dass ich nicht gehen werde, bevor ich auch diese Angst überwunden habe. Meine Freundinnen denken überhaupt nicht darüber nach. Ein kurzer Schrei, ein kleiner Hüpfer – das war’s. Ich denke mir im ersten Moment auch, dass es doch gar nicht so schwer sein kann, setze einen Fuß vor und – da ist es. Herzrasen, schwitzige Hände und natürlich sieht das Wasser von Sekunde zu Sekunde bedrohlicher und ferner aus. Ich lasse andere vor. Viel zu viele. Ich sehe Kinder, die von der elf Meter hohen Klippe springen und ich sehe, dass nichts passiert. In meinem Kopf streiten sich Rationalität und Angst, aber ich will. Ich weiß dass es passieren wird. Irgendwann werden die umstehenden auf mich aufmerksam. Natürlich – ich steh da ja auch schon seit mehr als einer halben Stunde mit ausgestrecktem Fuß. Geil. Jetzt sind alle Blicke auf mich gerichtet. „What’s her name?“ „Just jump!“ „You didn’t have enough Sangria.“ Mindestens 30 Menschen haben ihren Blick auf mich gerichtet. Ein Fuß – soweit, dass ich mich nicht mehr halten kann. Ich zittere, ein Schrei, eine Schwebe, eine Leichtigkeit – ein paar Sekunden. Ich höre die Menschen über mir schon johlen und klatschen, während ich Unterwasser bin. Für manche von euch, scheint es übertrieben klingen, doch dieser Sprung hat mir so viel bedeutet. Noch nicht mal der Sprung – die Überwindung. Ein Beweis – so glasklar. Als ich grinsend auftauchte und mir all diese Menschen fremden Menschen zujubelten, fühlte sich das an, wie eine Bestätigung für die letzten Monate. Für das Kämpfen. Für die fielen Momente in denen ich glaubte, dass ich nie aus meinem verkorkstem Kopf rauskommen würde und trotzdem weitermachte. Es einfach versuchte. Ich werde immer noch vor den meisten Sprüngen Angst haben. Es wird immer noch Menschen geben, für die acht Meter oder mehr ein Kinderspiel ist. Wichtig ist, dass ich mich überwinden kann, wenn ich möchte. Ich kann selbst entscheiden ob ich springe oder nicht – es ist nicht mehr die Angst, die es mir verwehrt. Das ist eine Freiheit, die ich sehr zu schätzen gelernt habe.

Auf dem Weg zurück geht es glücklicherweise hauptsächlich Berg ab. Wir heben die Hände hoch – die Haare wehen im Wind, die goldene Abendsonne lässt unsere Haut schimmern. Es ist fast zu schön um wahr zu sein und irgendwie auch ein wenig kitschig. So ein richtiges young, wild and free Cliché, aber Clichés sind ja nicht zwangsläufig schlecht.

An einem anderen Tag sind wir auf einem Festival. Mit Farbe im Gesicht und Blick auf’s Meer. Ein Haufen zusammengewürfelter Menschen, die sich aufeinander einlassen. Überschwänglich und unkontrolliert. Ja auch das ist ein großer Gewinn an Lebensqualität. Ich kann mich auf Partys wieder richtig gehen lassen und die Stimmung genießen – ohne Angst, vor was auch immer.

Leise rieselt der Schnee im Inneren, während wir im Morgengrauen am Wasser sitzen und reden. Das mag ich am liebsten am Ausgehen. Dieser konfuse Morgen danach. Es wird langsam hell. Die Dämmerung ist wunderschön, die Welt atmet auf und jeder ist ziemlich verwirrt und out of space. Am Tag nach der durchtanzten Nacht fragt man sich durchgängig, wie das nochmal funktioniert mit dem normalem Leben. Wie ist man eigentlich normal? Aber letztlich ist das einzig wichtige, dass ich auf meine nackten, durch das Salzwasser aufgeweichte Füße hinabblicke. Dass das nicht nur meine Füße sind, sondern auch die von Maia, Kat und Ellen – mit denen ich mich so selbstverständlich verbunden fühle. Es existiert nur noch die fast schon unangenehm schwüle Luft, der schwere Kopf und dieses leise Glück. Nicht diese überschwängliche, sich nach außen tragende Version von Glücklichsein. Es ist diese Art der inneren Zufriedenheit. Sie ist einfach da, während man am Wasser sitzt und anscheinend alles hat was man eigentlich braucht. Leise klopft ein Gedanke an. Ein wohliger Seufzer und das Gefühl von Geborgenheit. Als wäre man angekommen, für einen kurzen Moment.

Nach einer Woche entscheide ich zu gehen, weil ich merke, dass es mit jedem Tag schwerer wird diesen Ort der Leichtigkeit zu verlassen. Natürlich könnte ich noch länger bleiben, aber irgendwas sagt mir, dass es jetzt richtig ist. Jedes Mal wenn ich länger als drei Tage an einem Ort gewesen bin (und mich dort wirklich wohl gefühlt habe) ist es unheimlich merkwürdig Abschied zu nehmen. Da ich schon vor meiner Reise ständig umgezogen bin und seit letztem Oktober keine eigene Wohnung mehr hatte, habe ich ein sehr ausgeprägtes Anpassungsvermögen entwickelt und fühle mich meistens nach einigen Stunden schon wie Zuhause. Ich baue sehr schnell Bindungen auf. Sowohl zu Menschen als auch zu Orten. Das ist natürlich ein großer Vorteil beim Reisen, aber es ist jedesmal eben auch ein recht schwerer Abschied. Halb aufgeregt auf das Kommende, halb wehmütig über das Vergangene und außerdem noch völlig out of space vom Festival sitze ich im Bus und lasse die märchenhafte Küste Kroatiens an mir vorbeiziehen. Ich frage mich, ob ich irgendwann zu diesem kleinen Zuhause zurückkehren werde.

Well…maybe tomorrow, maybe the day after tomorrow.

maybe tomorrow – maybe the day after tomorrow